Grundlagen (kurz)

Was ist Selbsteigentum, wann ist Gewalt gerechtfertigt und wer darf andere führen?

Selbsteigentum

Dein Leben gehört dir. Wäre es nicht so, würdest du einem anderen gehören oder einer Gruppe von anderen. Natürlich gehört dir wiederum nicht das Leben von anderen.

Dein Leben besteht aus:

  1. körperlicher Unversehrtheit
  2. deiner Freiheit (die natürlich bei der Freiheit der anderen endet)
  3. deinem Eigentum (rechtmäßig erworben durch: Arbeit, Tausch oder als Geschenk)

Initiieren von Gewalt

Wenn andere Gewalt gegen dich initiieren, dann ist das

  1. Körperverletzung
  2. Freiheitsberaubung oder
  3. Diebstahl

Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Einzelner Gewalt gegen dich anwendet oder eine große Gruppe gegen deine kleine Gruppe. Es macht auch keinen Unterschied, ob der Einzelne oder die Gruppe andere beauftragen, Gewalt gegen dich anzuwenden — zum Beispiel, um nicht selbst Gewalt anwenden zu müssen.

Verteidigende Anwendung von Gewalt

Natürlich darfst du dein Leben, deine Freiheit und dein Eigentum gegen Angriffe von anderen verteidigen. Dazu darfst du dir auch Hilfe holen. Aber du darfst keine Gewalt initiieren und auch nicht andere mit der Initiierung von Gewalt beauftragen.

Führung

Du kannst dir Menschen aussuchen, denen du folgst, aber du darfst anderen keine Führer vorsetzen. Auch Führer sind nur Menschen und haben keine Rechte, die andere nicht haben, egal wie nobel ihre Motive sein mögen oder von wie vielen Menschen sie unterstützt werden. Niemand kann seinen Führern etwas geben, was er selbst nicht hat: das Recht zur Körperverletzung, zur Freiheitsberaubung, zum Diebstahl. Auf Gewalt verzichten, bedeutet nicht nur, selbst keine Gewalt anzuwenden; man darf auch keine Vertreter schicken.

Freiwillig

Voluntaristen wollen, dass menschliche Interaktionen entweder freiwillig stattfinden oder gar nicht. Darüber hinaus verfolgen Voluntaristen keine spezifische Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Kein Voluntarist will anderen Menschen seine Überzeugungen aufzwingen. Das wäre selbstwidersprüchlich. Man kann Menschen nicht zur Freiheit zwingen. Der Weg der Voluntaristen ist einer der gewaltfreien Überzeugung. Dazu gibt es unter anderem diese Seite. Das folgende Video erklärt alles in acht Minuten.V


8 Kommentare

1 Anarchist { 01.20.10 at 21:15 }

wieso nennst du dich eigentlich voluntarist und nicht anarchist? nur keine angst vor dem bösen a-wort! ;-)

2 admin { 01.20.10 at 23:33 }

Weil dieser Begriff assoziativ so negativ überfrachtet ist, dass der Redner sich rechtfertigen muss. Wer jedoch mit jemandem redet, der Zwang und Gewalt grundsätzlich ablehnt, der bekommt auf einmal selbst das Bedürfnis, sich zu rechtfertigen. Gleiches gilt für den Begriff Kapitalismus oder gar Anarcho-Kapitalismus. Mir gefällt Marktwirtschaftler auch noch ganz gut, vor allem in Abgrenzung zum Planwirtschaftler. Und besonders schön finde ich den Begriff Freitauscher (vs. Zwangstauscher).

Gruß Oliver

3 Anarchist { 01.24.10 at 13:30 }

hm, vielleicht ist es psychologisch tatsächlich geschickter, sich voluntarist zu nennen, damit die leute bisschen offener drangehn.
aber bei dem anderen beispiel würd ich aufpassen, ich bin mir nämlich nicht sicher ob marktwirtschaft wirklich gleichbedeutend mit kapitalismus ist.
und als inhaltlichen denkanstoß (ohne hier ne diskussion lostreten zu wollen): ist eigentum nicht eigentlich auch ein beschneiden der freiheit anderer? unterliegen “freitauscher” nicht ziemlich starken ökonomischen zwängen?
klar, sachzwänge gibts immer, aber bei ungleicher verteilung des eigentums ensteht da auch ziemlich schnell macht.

4 Ich hätte gern ein Paar Giraffenohren! » Blog Archiv » Waffen und Gewaltfreiheit { 11.20.10 at 01:55 }

[...] dieser philosophisch-psychologischen Grundhaltung kommt noch die rechts-philosophische, die ich hier beschrieben habe und die bei einigen GfKlern auf Widerstand stoßen könnte: Marshall Rosenberg war [...]

5 sozialist { 02.22.11 at 00:53 }

Ui, da Staune ich nicht schlecht:
“Dein Leben besteht aus:
[...]
3. deinem Eigentum (rechtmäßig erworben durch: Arbeit, Tausch oder als Geschenk)”
Wie kommt man denn zu Eigentum. Wer legt denn Fest was einem gehört oder einem anderen?
Als Mensch werde ich doch ohne Eigentum geboren. Also kann ich nur besitzen, was mir geschenkt wird oder was ich mir erarbeite. Da aber alle Menschen ohne Eigentum geboren werden, kann mir auch niemand etwas schenken, was nicht aus eigener Hände Arbeit hervor gegangen ist. Damit sich ein Mensch aber etwas erarbeiten kann, braucht es doch natürliche Grundlagen - Produktionsmittel. Etwa brauchen Bauern Grund und Boden. Der kann ihnen aber gar nicht gehören, da sie niemandem gehören können der es keinem andern gestohlen hat, oder mit Gewalt andere davon abhält dieses Land auch zu beanspruchen. Das ist nur solange kein Problem, wie kein anderer diese natürlichen Produktionsmittel auch für sich beansprucht. Was passiert denn wenn dies aber doch passiert? Bei natürlichen Ressourcen wäre damit klar, dass sie keinem gehören, sie also auch kein Individuum ohne die Zustimmung ALLER beanspruchen darf.
Kurz: Wie lösen denn Neolibertäre das Problem der Erstaneignung?
…ich bin gespannt…

6 admin { 02.22.11 at 09:09 }
7 sozialist { 02.23.11 at 21:33 }

Das ist leider keine Antwort auf meine Frage. Da die Prämisse war, dass Eigentum nur rechtmäßig durch Tausch, Arbeit oder Schenkung erworben werden kann. Erstaneignung ist aber nach diesen Kriterien keine legitime Form des Erwerbs.
Außerdem ist dann auch die Frage, ob man einen Eigentumstitel wieder verliert, wenn man das Eigentum nicht mehr nutzt. Das wiederum schafft aber neue Probleme: Ab wann nutzt man es nicht mehr? Wie muss man Eigentum nutzen um einen legitimen Anspruch darauf zu haben? Wer legt genau dies fest? Kann Eigentum dann auch ohne Zustimmung eines “Eigentümers” der es nicht mehr nutzt verloren gehen?
Kann mir vielleicht jemand wenigstens mal ein (historisches) Beispiel für legitime Erstaneignung nennen. Mir Fallen da nur solche Dinge wie die Vertreibung der Ureinwohner Nordamerikas ein. Hausbesetzungen, nicht bewohnter Häuser sind vielleicht noch ein interessanter Fall. Beides wird aber allgemein als Enteignung/Diebstahl/Gewalt gesehen. Kurzum seh ich nicht, dass es soetwas wie natürliches Eigentum gibt.
Nozick’sch inspirierte Konzepte die an unterkomplexität leiden, oder gar Wikipediaartikel die mehr Argumente gegen “natürliches” Eigentum liefern als dafür, hab ich ehrlich gesagt nicht erwartet.
…ich bin immer noch gespannt…

8 Jester { 07.11.11 at 00:44 }

@sozialist: Erstaneignung kann subsummiert werden zu Arbeit. Physikalisch ist Arbeit das Produkt aus Kraft und Zeit. Kraft geht zurück auf Naturphenomene, menschliche Kraft subsummiert auf die Kraft der eigenen(!) Gedanken. Zeit geht zurück auf Naturphenomene, menschliche Zeit auf die eigene(!) Lebenszeit.

Ist Erstaneignung eigentlich ein Problem? Es steht doch nicht zur Debatte, was der Erste mit etwas tat, sondern es steht zur Debatte, was der jetzige Eigentümer damit tut; und auf welcher ökonomischen Grundlage “er” sich weiter ausbreitet. Politische Mittel sind hierbei eine Unterkategorie des Ökonomischen; Erstaneignung gleicht dabei meist einer Verwüstung. Ja richtig, auch die Eroberung Nordamerikas steht hierbei in Frage. Doch liegt die Lösung immer nur in der Gegenwart, nicht in Vergangenheit oder Zukunft (siehe oben zu Arbeit).

Ich bin überzeugt wir werden hier nun nicht länger unsere Zeit damit verschwenden, die immer gleichen Fragen aufzuwerfen und statt dessen eigene Antworten finden. DAS ist Erstaneignung der eigenen Gedanken und ohne Zweifel verbunden mit Arbeit; Denkarbeit. Uns hierbei viel Erfolg.

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